2025 gelesen

Natürlich bin ich viel zu spät dran, für jeden Rückblick, Ausblick, wahrscheinlich auch Einblick. Was soll´s, die letzte Woche war stressig und ich komme zurecht so spät dazu, meine Leseliste 2025 zu teilen. Was habt ihr gelesen oder vorgelesen?

  1. Andreas Ruch: Die drei ??? – Das Rätsel des Flamingos – vorgelesen. Das Imperium der ??? bietet jede Menge Unterhaltung, wenn auch eigentlich lieber als Hörspiel. Beim Namen Ruch denke ich allerdings immer ans ZPS, das schafft schön Verwirrung.
  2. Cornelia Funke: Igraine Ohnefurcht – vorgelesen. Sehr schönes Ritterbuch mit interessanten Figuren und Kindern, die den Laden ganz gut schmeißen, während ihre Eltern just zur Belagerung leider indisponiert sind.
  3. Erik Kessels: Fast perfekt. Die Kunst, hemmungslos zu scheitern. Wie aus Ideen Fehler entstehen. – gelesen. Wenn du auf den Balkon treten willst, aber leider keine Tür eingebaut wurde. Dann hat Erik Kessels hoffentlich ein Foto gemacht. Ein Künstler, der das Bemerkenswerte im Alltag würdigt, absolut mein Ding.
  4. Silke Vry, Marie Geissler: Dusty Diggers – Die mausetoteste Mumie aus dem alten Ägypten. Das Geheimnis von Tutanchamun. – vorgelesen. Archäologie im Lichte der menschlichen Unverfrorenheit und Dummheit, noch dazu mit einer Menge wissenschaftlicher Fakten und interessanten Bildern. Schöne Reihe für Menschen, die noch daran glauben, dass man als Wissenschaftler_in das Haus verlassen darf.
  5. Anja Rützel: Take That – gelesen. Witzig, liebevoll, faktenreich – man stelle sich vor, dies würde jmd über ein Buch zu Friedrich Merz schreiben. Tatsächlich habe ich nach der Lektüre ein paar Wochen lang Take That-Musik gesuchtet und so auch die heiße Wahlkampfphase überstanden.
  6. Richard Reynolds: Guerilla Gardening. Ein botanisches Manifest. – gelesen. So viele tolle Sachen, die Menschen überall auf der Welt mit Pflanzen machen. Wäre hierzulande auch in so mancher Kleingartenanlage angebracht.
  7. Jeff Kinney: Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt – vorgelesen. Und die drölfzig übrigen Bände als Hörbuch gehört. Und ich habe das Erfolgsgeheimnis: Neben den Protagonist_innen der Geschichte dürfen wir Erwachsenen uns alle wie gute Eltern fühlen. Und die Eltern von Rupert shamen. Rupert, ey!
  8. Astrid Lindgren: Madita – vorgelesen. Mein Lieblingsbuch aus Kindertagen. Mir war gar nicht klar, wie oft auf die Bibel Bezug genommen wird. Dennoch war mein Heidenkind sehr interessiert und neugierig.
  9. Anja Rützel: Saturday Night Biber – gelesen. Wie es ein Mann geschafft hat, dass ihm eine wilde Hirschgruppe so sehr vertraut, dass er sie anfassen kann. Das nächtliche Geräusch domestizierten Kakerlaken in ihren Wohnboxen. Wie man Alpakas mit Respekt führt, obwohl sie nicht geführt werden wollen. Anja Rützel kriegt es raus, Anja Rützel beschreibt es ganz wunderbar.
  10. Rebecca F. Kuang: Yellowface – gelesen. Ein schlauer Thriller, der sich mit antiasiatischem Rassismus und dem Literaturbetrieb beschäftigt.
  11. Kurt Tucholsky: Vorne die Ostsee, hinten die Friedrichstraße – gelesen. Jede Seite klug und witzig!
  12. Terézia Mora: Das Ungeheuer – gelesen. Das Buch ist schon ein Ungeheuer, jede Seite in zwei Felder, zwei Perspektiven aufgeteilt, der Weg des Protagogisten führt durch halb Europa und seine Trauer konnte ich auf jeder Seite spüren. Zugleich finden sich so viele absurde, abenteuerliche und robuste Momente, dass trotz der für mein Empfinden zu kurz gegriffenen Darstellung von Depression insgesamt ganz viel Liebe zur Fehlerhaftigkeit den Menschen übrig bleibt. Worum es geht? Mann verliert Frau durch Suizid und fährt mit dem Auto immer weiter.
  13. Astrid Lindgren: Ferien auf Saltkrokan – vorgelesen. Was passiert eigentlich in diesem Buch? Ein Vater fährt mit seinen Kindern über den Sommer auf eine kleine Insel. Und was passiert dann? Eigentlich nichts. Aber das Buch macht glücklich.
  14. Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte – gelesen. Warum eigentlich sind Depression und Therapie so oft Steigbügelhalter für irgendwelche Geschichten?
  15. Kjell Ola Dahl: Die Frau aus Oslo – gelesen. Spannend und mit Spionin.
  16. Marc-Uwe Kling: Die Spurenfinder und das Drachenzepter – gelesen und vorgelesen. Kling entwickelt sich immer mehr zu einem Autor, auf den man sich als Familie einigen kann. Vielleicht, weil seine Kinder langsam in den Familienbetrieb einsteigen. Jedenfalls: Witzige Fantasy mit nicht zu dezenter Gesellschaftskritik und der wahren Geschichte, wie Kartoffelchips entstanden sind.
  17. Quichotte: Lieblingsbäcker. Auf Leben und Brot. – gelesen. Hin und wieder mal ein Scheibchen davon zu lesen ist ganz nett.
  18. Margret Wittmer: Postlagend Floreana – gelesen. Echte Erfahrungsberichte von einer Ausgewanderten, die mit ihrer Familie auf einer kleinen Galapagos-Insel mit wilden Hunden, extremen Temperaturen, vor allem aber mit den Nachbarn aus Deutschland zu kämpfen hatte. All das ist wahr, und einen nicht aufgeklärten Mordfall gibt es noch obendrauf. Ich schwanke nun seit Monaten zwischen Respekt und seidihreigentlichkomplettbescheuert?!
  19. Margareta Strömquist: Astrid Lindgren – gelesen. Astrid Lindgrens Biografie, zuletzt ja auch in Teilen verfilmt, zeigt eine kreative und äußerst hartnäckige Frau, die es geschafft hat, trotz widriger Bedingungen ihre Zeit nicht nur zu leben, sondern auch zu gestalten. Möglicherweise hätte sie einiges heute anders gemacht, aber ihr Engagement gegen Gewalt gegen Kinder hat viel verändert, gerade in Deutschland. Kurz gesagt: Ganz schön mutige und humorvolle Frau.
  20. Hannes Richert: Comics für den gehobenen Pöbel – gelesen. Und genossen. Witzig, dödelig, derb und manchmal herrlich dumm.
  21. Till Reiners: Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen. Begegnungen mit besorgten Bürgern. – gelesen. Wie schnell so ein Buch schon wieder Zeitdokument ist. Till Reiners trifft Menschen, die Pegida gut finden und beschreibt sehr schön, wie er mit der Zeit immer weniger Bock hat, ihnen zuzuhören. It’s a dead end… Kurzweilig geschrieben, aber ich fürchte, das Konzept war von Anfang an zu kurz gegriffen. Egal: Das wussten viele vor 10 Jahren nicht.
  22. Maria Kling: Freddy und Flo gruseln sich vor gar nichts – vorgelesen. Geschwister ziehen mit Vater + neuer Lebensgefährtin in Haus, Haus stellt sich als Gruselhaus heraus, Kinder freunden sich mit den darken Nachbarn an, gemeinsam kämpft man gegen die Oberschurken und wächst als Familie zusammen. Und nebenbei lacht man sich dann beim Vorlesen krumm und schief, weil es so viele köstliche Wortspiele und Querverweise gibt.
  23. Michael Ende: Der Wunschpunsch – vorgelesen. Die magische Welt für die Umweltverschmutzung – man merkt, wie Michael Ende zu seinem Thema kam. Zusammen mit dem Kind zu versuchen, den endloslangen Zauberbegriff Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch ohne zu stocken vorzulesen ist trotzdem ein hervorragender Spa0.
  24. Peter Høeg: Der Plan von der Abschaffung des Dunkels – gelesen. Ein Ort an dem Menschen bis in die kürzeste Minute hinein kontrolliert werden, an dem jede Bindung verdächtig und jede Zuneigung auszumerzen ist – wie machen sie das? Sie, das sind in diesem Fall Pädagog_innen, Ärzt_innen, Psycholog_innen in einem dänischen Kinderheim der 60er Jahre. Und die Antwort, so beobachten einige Kinder über lange Monate, die Antwort liegt in der Zeit. Kaum ein Buch hat mich so mitgenommen, wie dieses; die Geschichten einiger junger Menschen, die die winzigsten Lücken und Ungenauigkeiten in den erwachsenen Plänen dazu nutzen, auszubrechen und eine echte, verbundene Wirklichkeit zu suchen. Es ist brutal, es ist tieftraurig und doch auch ganz wunderbar – obwohl es kaum Anlass dazu gibt, bleibt eben doch das Gefühl, dass jede Sekunde sich selbst gehört und jede Begegnung zählt.
  25. Elke Vesper: Schreckliche Maria. Das Leben der Suzanne Valadon. – gelesen. Schon zig Mal. Gute Unterhaltung, sehr viel gut recherchiertes Wissen um die Kunstgeschichte der Jahrhundertwende, fabelhafte Bildbeschreibungen. Und eine ordentliche Portion guten alten 80er Jahre-Feminismus obendrauf. Verleihe ich nur, wenn ich es auch zurückkriege!
  26. Eugen Ruge: Capo de Gata – gelesen. Kalte spanische Küste, Katzen und eine Frau mit einem absurden Hintern. Ich kann jetzt auch nicht mehr erklären, wie das alles zusammenhing, aber es war angenehm zu lesen.
  27. Mareike Fallwickl: Die Wut, die bleibt – gelesen. Endlich mal ein neuer Ansatz für feministische Geschichten! Frauen, die nicht mehr nur über ihre Rechte reden, sondern auch gezielt Gewalt anwenden: Gegen sich, aber auch gegen andere. Dieses Buch hat die Kraft, einigen ordentlich in die Fresse zu hauen und ist deshalb absolut diskutierenswert. Leider hat es in meinem Umfeld niemand gelesen, oder doch?
  28. Heribert Schwan: Die Frau an seiner Seite. Leben und Leiden der Hannelore Kohl – grob gelesen. Das war dann ein schöner Kontrast zum letzten Buch. Und wie kaputt und traumatisiert die Menschen doch waren, die die BRD aufgebaut haben. Noch ein Wort zum Autor: Wäre ich mit ihm verheiratet (was abwegig ist), nach diesem Buch wäre ich eifersüchtig. Da wird viel verehrt, aber dennoch wenig ausgelassen.
  29. Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer – gelesen. Richtig witziger historischer Roman über die Jugend von Annette von Droste-Hülsdorff. Und wie schwierig das Leben mit geistig unterlegenen Männern im Patriarchat eben ist. Und wie wenig Ahnung man vom Knutschen hatte.
  30. Kathrin Köller, Irmela Schautz: Richtig anders, anders richtig – gelesen. Große Empfehlung für alle mit Kindern die im neurodivergenten Spektrum unterwegs sind. Endlich eine wertschätzende Perspektive auf ADHS, AuDHAS usw., gendersensibel geschrieben und direkt an Jugendliche ab 11 Jahren gerichtet. Sollten aber auch alle Erwachsenen lesen!
  31. Maria Kling: Freddy und Flo – Verliebt, verlobt, verhaftet – vorgelesen: Siehe oben. Irgendwann müssten wir eigentlich noch das mittlere Buch der Trilogie gelesen haben…
  32. Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt – gelesen. Sehr lakonische Beschreibung großer menschlicher Intelligenz, großer Forschergeister und auch ziemlich großer emotionaler Unterentwicklung. Alles in allem sehr unterhaltsame Schilderung der Arbeit, auf der unsere heutige Welt beruht – und die eben letztendlich einfach menschlich war.
  33. Anne Rabe: Die Möglichkeit von Glück – gelesen. Beim Aufräumen aus dem Regal gezogen und gleich wieder hängengeblieben: So ein sensibles Buch über eine Familie, an der die DDR und die Wende natürlich nicht spurlos vorbeigegangen sind.
  34. Caroline Wahl: 22 Bahnen – gelesen. Wollte den Hype verstehen. Hier meine Analyse: Wenn du Netflix willst, bist du hier richtig. Ich will durchaus auch oft Netflix, und Caroline Wahl kann schon okay schreiben. Was mich genervt hat: Dass alle in ihrem Elend so toll aussehen. Und dass es natürlich wieder überhaupt keine Hilfe gibt, geschweige den Hilfsstrukturen. Von mir aus hätte das Buch auch doppelt so lang sein können, ich hätte es gerne gelesen. Schließlich gibt es auch auf Netflix besonders tolle Sachen.
  35. Liv Strömquist: Ich fühl’s nicht. – gelesen. Der erste Strömquist-Comic, der hier und da ein bisschen lang war… Und dann sieht man zum 586. Mal Leonardo DiCaprios Gesicht, wenn er ein neues Sports Illustrated Swim Suit-Model datet. Unbezahlbahr.
  36. Michael Ende: Momo – vorgelesen. Für mich ein Wiedererkennen nach langer Zeit, für mein Kind ein handfester Krimi. Und Ausgangspunkt für ein Nachdenken über die Zeit.
  37. Till Raether: Die Architektin– gelesen. Der „Journalist“ trägt noch von Mutti gebügelte Hemden, in der Redaktion säuft man sich heimlich tot und der Assistent der Architektin bumst die Sülze, die eigentlich für die Geldgeber bestimmt war. Alles so detailverliebt und absurd beschrieben, die Handlung zum Ende hin so selbstbewusst überdreht, dass ich mich danach noch wochenlang gefragt habe, mit welchen Bambi-Stars ich das ganze Werk verfilmen würde. Ich hoffe, das passiert bald und empfehle bis dahin dieses Buch!
  38. Martin Muser: Das ist nicht lustig – vorgelesen. Geschichten rund um drei Chaotenkumpels, einen häufig heulenden kleinen Bruder und Opa Eule. Lustig und traurig und schön für Eltern und Kinder.
  39. Deniz Ohde: Ich stelle mich schlafend – gelesen. So eine tolle Autorin, so ein tolles Buch, dass sich in seiner Sprache über zig Kapitel aufbaut, dass es seiner Protagogistin überhaupt nicht leicht macht und dann am Ende in einer ganzen Kaskade abliefert. Keine „red flags“, nur die schlichte Beobachtung, dass es Frauen gibt, die glauben, dass es nun mal so ist, dass Männer Anspruch auf sie erheben, die sich schützen, in dem sie zustimmen, indem sie runterspielen, indem sie schweigen. Dass das wahr ist, das wissen wohl leider die meisten von uns. Die Protagonistin des Romans muss es über viele Jahre lernen, ihr Rückrat muss sie dafür im Wortsinn stabilisieren, und am Ende fliegt dennoch einiges in die Luft. Empfehlung!
  40. Åsa Larsson: Weiße Nacht – gelesen. Sommer in Nordschweden, Hunde, Mücken, ein Mordfall. Lange nicht mehr so eine schöne Sprache in einem Krimi genossen
  41. Denn die Gier wird euch verderben – Noch ein schöner Krimi, wenn auch nicht mehr so fein, wie der obige.
  42. Bis dein Zorn sich legt – gelesen. Siehe oben.
  43. Astrid Lindgren: Erzählungen – vorgelesen. Weniger bekannte Geschichten von Astrid Lindgren. Vie religiöses, manch trauriges, aber auch immer wieder Hoffnung.
  44. Andreas Steinhöfel: Anders – gelesen. Eine interessante Geschichte um Schuld und Verantwortung eines Kindes – und nein, es geht nicht um Handy oder Puppe, sondern um einen verbrannten Hühnerstall mit 60 toten Tieren. Irritierend fand ich die einfache aber trotzdem relativ blumige Sprache.
  45. Janine Barchas, Isabel Greenberg: Jane Austen. Ihr Leben als Graphic Novel. – gelesen. Wie abhängig man sein kann, bloß aufgrund seines Geschlechts! Der Comic schildert die Lebensumstände von Jane Austen, und wenn die nicht so nette Brüder gehabt hätte, würde ich einige meiner Lieblingsbücher jetzt gar nicht kennen.
  46. J.K.Rowling: Harry Potter und der Gefangene von Askaban -vorgelesen. Man kann die Potter-Bücher trefflich kritisieren, aber: Sie funktionieren. Vorzulesen und dabei an jedem zucken und glucksen zu hören, wie sehr ich meinen Sohn damit am Haken habe, ist ein Genuss.
  47. Kaleb Erdmann: Die Ausweichschule – gelesen. Am Ende des Jahres noch ein richtig gutes Buch, das ich wärmstens empfehlen möchte. Endlos lang stolpert man hinter dem Erzähler her, durch sein neurotisches Leben als Autor, durch Erinnerungen an einen bestimmten Schultag am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt, durch das gesammelte Wissen um den dortigen vergangenen Amoklauf – und um die Frage, wie man, ob man darüber schreiben könnte. Das weiß ich nicht, aber diesen Text habe ich sehr gern gelesen.

2023 gelesen

2023 war ein ganz gutes Lesejahr für mich – wahrscheinlich, weil ich gesundheitstechnisch endlich wieder aufnahmefertiger war. Und es gab so tolle Bücher! Hier also meine Leseliste (ohne Bilderbücher). Was habt ihr gelesen?

1. Kim de l’horizon: Blutbuch. Man hört ja hie und da, der eine/die andere interessiere sich nicht so für non binary-Themen… Aber dieses Buch ist so viel mehr. Wie kann ich sprechen, wenn ich bei grundsätzlichen Kategorien nicht mitmache? Wie erzählen Bäume, Menschen, Sex-Dates, Strickzeug, Hexen? Es geht nicht darum, Rechte einzufordern, es geht darum zu sein. Letztlich für uns alle. Absolute Leseempfehlung.

2. Christina Clemm: Akteneinsicht. Bevor du mit jmd über sexuelle Gewalt diskutierst, ist dieses Buch eine gute Lektüre. Die Frage, warum „das Mädel nicht sofort was gesagt hat“ stellt sich dann nie wieder. Am besten gleich in der Schule lesen.

3. Christian Baron: Ein Mann seiner Klasse. Die authentischen Schilderungen der Armut und Gewalt in der Kindheit des Autors haben mich sehr beschäftigt. Es ist außergewöhnlich, wieviel Wärme er für den/seinen prügelnden Vater aufbringt. Wie er die sozialpolitische Komponente seiner Erfahrungen im Auge behält. Schwer erträglich, wie er etwa vom Jugendamt behandelt wurde. Mit Sicherheit auch ein streitbares Buch, auch wenn ich das gar nicht richtig fassen kann.

Manchmal schwer erträglich.

4. Juli Zeh: Über Menschen. Tolle Dialoge. Völlig übertriebene Erzählungen vom Stadtleben. Schade, dass es der Autorin nicht gelingt, fair zu beidem zu sein.

5. Lisa Aisato: Alle Farben des Lebens. Okay, das ist ein Bildband. Und zwar ein wunderschöner. Schlimme und gute Erfahrungen verdichten sich in 1000 Farben. Bestimmt auch mal kitschig, aber mich macht es froh <3

6. Jo Nesbø: Sohn. Von Zeit zu Zeit habe ich Krimilust. Jo Nesbø ist dann eine absolut gute Wahl.

7. Bernhard Heckler: Das Liebesleben der Pinguine. Ich erinnere mich an erstaunlich wenig. Verschiedene Handlungsstränge wurden verflochten, alles fein, aber nicht so mein Ding, ist nichts persönliches.

8. Sebastian Ringel: Glücksorte in Leipzig. Badezimmerlektüre, enthielt tatsächlich einige Orte, von denen ich noch nie gehört hatte.

9. Karsten Dusse: Achtsam morden. Lustige Grundidee, aber wenn mir ein Mann stundenlang erzählt, wie erfüllend und beglückend es ist, 48 Stunden allein für ein Kleinkind zuständig zu sein, dann steige ich aus.

Beglückte 48 Stunden allein mit einem Kleinkind. Genau.

10. Tuula Karjalainen: Tove Jansson. Die Biographie. Das tollste am Buch sind die vielen farbigen Abbildungen. So eine interessante Künstlerin! Die Autorin wiederholt sich zwar öfter, aber es ist trotzdem ein sehr interessantes Buch.

11. Marco Missiroli: Treue. Im Treppenhaus gefunden, mich gut unterhalten gefühlt.

12. Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter. Frauenfeindlichkeit. In einer bürgerlichen Familie in den 80ern. Kennt man ja? Nein, dieses Gefühl, wenn diese völlig absurden Erniedrigungen der Mutter von der Tochter beobachtet werden, das muss man erstmal aushalten. Bzw. ich. Trotzdem eine absolute Empfehlung!

13. Ernst Jandl: Ottos Mops hopst. Den kleinen Gedichtband habe ich schon seit meiner Kindheit, jetzt feiere ich ihn mit meinem Sohn.

14. Siri Hustvedt: Die Leiden eines Amerikaners. So schöne Figuren, soviel Balance letztendlich. Eine gute Autorin, die nur sparsam Wünsche erfüllt.

Die absurdesten Beziehungen der Welt, so lustig.

15. Liv Strömquists Astrologie. Wollte ich eigentlich verschenken, aber dann habe ich reingelesen, mich kaputt gelacht und es behalten. Ein Panoptikum der absurdesten Beziehungen der Welt, und da gibt es so einige. Gönnt euch!

16. Astrid Lindgren: Kati in Amerika. Kati in Italien. Kati in Paris. „Jungmädchenbücher“ von Astrid Lindgren. Ich finde es einfach hochinteressant, wie Kinder- und Jugendliteratur besehen und bewertet wird. Vielleicht schreibe ich darüber nochmal mehr. Hier schafft die Autorin es jedenfalls, in jedem Satz gleichzeitig progressiv und konservativ zu sein.

17. Jonathan Safran Foer: Wir sind das Klima. Wie immer ein ehrliches, persönliches, mit großer Geste argumentierendes Buch. Und natürlich sind wir das Klima. Nur leider wir alle. Ich wäre sehr gern allein mit Jonathan Safran Foer das Klima. Oder so. Es ist zum heulen.

Für Neue im Psycho-Business.

18. Sandra Strauß, Scharwel: Nicht gesellschaftsfähig. Alltag mit psychischen Belastungen. Ein dicker Wälzer mit einem guten Ansatz. Manchmal etwas gleichförmig, gerade in den vielen Erfahrungsberichten, dazwischen finden sich aber echte Perlen. Auf jeden Fall ein sehr gutes Buch, um es bei Leuten herumliegen zu lassen, die neu im „Psycho-Business“ sind.

19. Moritz Hoffmann: Der Nahostkonflikt. (privat) Schon vor langer Zeit bat ich meinen Bruder, mir den Nahostkonflikt zu erklären – und bekam als Unikat einen Comic. Leider war es nun mal wieder Zeit, ihn aus dem Regal zu ziehen. Sich die Chronik anzuschauen, macht es nicht besser.

20. Magda Trott: Försters Pucki. Noch so ein Abfuck der Kinderliteratur. Jede Menge seelische Gewalt, aber im Wald, der ist okay. Heidewitzka.

21. Isabell Allende: Amandas Suche. Die Frau kann sich tolle Figuren ausdenken, aber in diesem Roman schwafelt sie – man könnte bestimmt ein Drittel streichen. Wer an sowas Freude hat, der möge beginnen, ich war froh, als ich fertig war.

22. David Lagercrantz: Verschwörung. Fortsetzung der bekannten Reihe von Stig Larsson. Ziemlich grob verfasst, hat mir nicht gefallen. Hatte aber auch Covid.

Krimis mit Hackerin aus der Zeit der CD-Rom.

23. Stig Larsson: Verblendung. Verdammnis. Vergebung. Nach langer Zeit nochmal gelesen… Die Reihe hat den technischen Fortschritt überraschend gut verkraftet.

24. Susanna Kubelka: Endlich über vierzig. Der reifen Frau gehört die Welt. Ein sehr lustiges Geschenk. Und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Feminismus nicht funktionieren kann, wenn man sich ständig be- und abwertet. Alte Frauen sollen einfach aufhören zu jammern. Junge Frauen sollten nicht zu lange stillen, um eine schöne Brust zu behalten. Und alle sollten einfach maßvoll essen und auf jeden Fall Sport machen. Die Männer sollen nix. Klar so weit.

25. Petra Hartlieb: Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung. Noch so ein Treppenhausfund. Das Weihnachtsgeschäft ist sehr anstrengend. Das war’s.

26. Tove Jansson: Das Winterbuch. Gute Erzählungen, allerdings vom Verlag zusammengestellt, und das merkt man, das Buch ist nicht rund. Dennoch: Lest Tove Jansson!

Und jetzt noch Kinderbücher:

27. Otfried Preußler: Der Räuber Hotzenplotz 1&3, Der Wassermann. Mit meinem Sohn gelesen/gehört. Einfach ein toller Autor.

28. Michael Ende: Jim Knopf und die wilde Dreizehn. Siehe oben, auch wenn in Bezug auf die Hautfarbe von Jim kurz was besprochen werden musste… Aber mein Sohn winkt da bloß ab, er weiß das alles.

29. J. K. Rowling: Harry Potter und die Kammer des Schreckens. Siehe oben. Auch hier beschäftigt mich die Kritik, die neuerdings überall zu lesen ist. Ein wirklich interessantes Thema.

30. Marc-Uwe Kling: Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte/die Oma das Internet kaputt machte/der Opa den Wasserkocher auf den Herd gestellt hat/Tiffany das Wasser aus der Wanne geschaukelt hat. Alles so lustig, gehört zum Repertoire unserer Familienparty.

31. Andreas Steinhöfel: Dirk und ich. Auch so ein Buch, dass uns immer zum lachen bringt

32. Anke Kuhl: Mannomann. Gute Familiencomics, witzig, aber auch voll der Härten des Kindseins.

33. Flix: Spirou in Berlin. Sehr klug, sehr witzig, sehr Kenntnisse voraussetzend. Urteil meines Sohns: Das ist wohl eigentlich nichts für Kinder.

34. Frida Nilsson: Frohe Weihnachten, Zwiebelchen. Gar nicht so leicht, als sechsjähriger Probleme zu lösen, die die Erwachsenen selber nicht geklärt kriegen. Zwiebelchen macht dabei einige Fehler, und er ist so sympathisch dabei – es war richtig kuschelig, dieses Buch zusammen zu lesen.

35. Marc-Uwe Kling: Das Klugscheißerchen. Kleine Geschichte, runde Sache, sehr gut vorlesbar. Kann man machen.

Das waren meine Bücher 2023.

Und das waren sie, meine Bücher 2023. Einen Bilderbuchtipp für Kleine und Große schiebe ich hinterher: „Kunst aufräumen“ von Ursus Wehrli. Einfach eine gute Idee. Ich räume jetzt mein Bücherregal auf… Oder mache ich mich vielleicht endlich mal wieder an meinen eigenen Text?

Wie auch immer: Frohes Neues! Und lest schön…

2022 gelesen

Meine Kernkompetenzen bestehen gerade im Husten und Leiden. Und dann habe ich auch noch Ende letzten Jahres meinen Kalender (ja, einen Papierkalender) verloren. Mit der Leseliste. Grmpf. Aber Traditionen wollen gewahrt werden, und deshalb habe ich so ungefähr versucht zu rekonstruieren, welche Bücher ich 2022 gelesen habe. Also los:

Elena Ferrante: Meine geniale Freundin, Die Geschichte eines neuen Namens, Die Geschichte der getrennten Wege, Die Geschichte des verlorenen Kindes – Hat mich sehr beschäftigt. Die Texte sind so dicht, dass ich Mühe hatte, sie zu greifen… Worum geht es in den Büchern überhaupt? Laut Klappentext um Freundschaft, dabei habe ich selten so wenig über echte Nähe gelesen. Worum es mit Sicherheit geht: Armut. Gewalt. Selbstbehauptung und Scheitern. Italienische Geschichte. All diese Themen hätten nicht über zwei Frauen erzählt werden müssen. Aber nur über zwei Frauen konnten die Härten und die Sehnsüchte der Menschen so spürbar werden. Große Empfehlung.

Julia Quinn: Bridgerton – Der Duke und ich, Wie angelt man sich einen Viscount Das erste hatte ich doch schonmal gelesen? Habe schon wieder alles vergessen.

Mein Buch des Jahres.

Tove Jannsson: Das Sommerbuch – DAS Buch. Mein Buch des Jahres. Nicht klug, sondern weise, auf jeder Seite. Der Sommer, das kann in Finnland schonmal Eis bedeuten. Alles hat im Leben Platz. Das ist schwer. Oder nicht. Und das Gebiss der Großmutter ist in die Pfingstrosen gefallen. Nur Tove Jannsson kann ein völlig unaufgeregtes Buch über leben und sterben schreiben. Lest es alle!

Jan Gorkow: Niemals satt – Ich bin jetzt nicht unbedingt Fan von Feine Sahne Fischfilet, aber ihr Engagement gegen Rechts fand ich gut, und so stieß ich auf das Buch. Der Autor ist verdammt ehrlich – Respekt. Öfter mal wiederholt er sich, aber das ist okay. Deutlich wird aber auch, wie wenig Unterstützung Menschen mit Essstörung bekommen, gerade wenn sie eben dick sind. Da hätte man noch weiter gehen können, z.B. durch einen Austausch mit einer_m Psychologin_en.

Sophie Hénaff: Kommando Abstellgleis – Netter Krimi aus Frankreich.

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch, Rico, Oskar und das Mistverständnis – Das ist einfach eine wunderbare Kinderbuchreihe. Und die hält ihr Niveau auch in den letzten beiden Teilen.

Heide Keller: Das Traumschiff – Wir haben innerfamiliäre Laster. Wer mit mir über das Traumschiff sprechen möchte, kann sich gerne melden!

Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter – Das erste lange Buch, das ich meinem Sohn vorgelesen habe. Vielleicht das beste von Astrid Lindgren.

J K. Rowling: Harry Potter und der Stein der Weisen – Auch für meinen Sohn. Ich finde die Bücher der Potter-Reihe immernoch gut, aber natürlich steigt die Autorin gleich mit ordentlich Fatshaming ein. Ich finde, dass man mit Kindern über sowas reden kann und sollte und wir hatten großen Spaß am Abenteuer.

Roald Dahl: Charlie und die Schokoladenfabrik – Was ist der Unterschied zwischen deutscher und englischer schwarzer Pädagogik? Die englische ist lustig. Auch weil mehr als deutlich wird, dass die eigentliche Verantwortung bei den Eltern liegt. Achja: Mein Sohn ist seither Süßigkeitenforscher.

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – Noch so ein schlecht gealterter Klassiker. Einerseits wunderbare Szenen, wunderbare Ideen. Andererseits jede Menge Kolonialismus und wahrscheinlich gut gemeinter Rassismus. Also wieder: lesen und drüber reden.

Eine Frau hört auf zu schlafen und wird in der gewonnenen Zeit sie selbst.

Haruki Murakami: Schlaf – Eine Frau hört auf zu schlafen und wird in der gewonnenen Zeit sie selbst. Die Welt hält das nicht aus. So einfach und klar liest sich Murakami selten. Mit wunderschönen Bildern.

Roald Dahl: Hexen hexen – Auch mit meinem (hartgesottenen) Sohn. Die Hexen sind ultrafies und der Protagonist wird leider in eine Maus verwandelt. Dumm gelaufen, weiter geht’s. Wegen sowas mag ich Roald Dahl so gern.

Roald Dahl: Sophiechen und der Riese – Eines seiner besten Kinderbücher. Und übrigens auch eine Ehrung der verstorbenen Queen!

Tilman Röhrig: Robin Hood. Solang es Unrecht gibt. Ich wollte mal was schmökern… Aber der Schreibstil war leider schrecklich gespreizt. 1€ für jeden Satzanfang mit Partizip.

Bernd Riehm, Daniel Stemmrich: Lassaner Mosaik. Hinter offenen Türen. – Platzdeckchen, Porzellanfigürchen und eine Menge Geschichten von Zeitzeug_innen aus Lassan. Damit verbinde ich viel, sowohl persönlich als auch aus beruflicher Überzeugung. Redet alle mehr mit euren Nachbar_innen.

Thees Uhlmann: Die toten Hosen – Ist schon schön. Aber Band und Autor eint eben auch: die Abwesenheit von existentiellen Erfahrungen. Das ist absolut in Ordnung. Aber irgendwann habe ich mich das halt gefragt, wie Thees Uhlmann in Hoyerswerda klargekommen wäre. Wir werden es nie erfahren.

Ingeburg Kretzschmar: …daß es euch gut gehe – Aus dem Antiquariat im Schloss Stolpe mitgenommen. Texte, Briefe an Kinder, für mich als Wessi von ungewohnten Autoren – teils voll auf Parteilinie, manchmal aber auch einfach sehr schön. Interessante Leseerfahrung für mich.

Wie wird man im alten Rom Gynäkologin?

Penélope Bagieu: Culottées. Des femmes qui ne font que ce qu’elles veulent – Absolut tolle Comics über Frauen, die nur machen, was sie wollen: Von der Gynäkologin im alten Rom zur Königin des Kongo und so weiter. Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen. Gibt’s das schon auf deutsch?

Sirka Elspaß: ich föhne mir meine wimpern – Ich kenne die Autorin von Instagram, sie vereint tiefes Leid und ehrlichen Humor, ich mag sie sehr. Ihren ersten Gedichtband werde ich öfter lesen.

Charly Mackesy: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd – Kennt ihr das? Ein Buch ist einfach nur freundlich. Warm. Herzlich. Es gibt endlich mal Antworten. Und dann denkst du: Das muss Kitsch sein! Nun, dies ist kein Buch für Besserwisser, sondern eins für Leute, die sich aufwärmen wollen. Wunderschön ist es auch.

William Goldman: Die Brautprinzessin – Witzige, selbstironische und überaus unterhaltsame Genrespielerei. Ich weiß nicht, ob das Fantasy ist, aber ich hoffe es, denn dann hätte ich ein gutes Fantasy-Buch gefunden. Und Stephen King spielt auch mit.

Und das war’s schon wieder… Dabei stapeln sich hier noch viel mehr Bücher. Und die Stadtbibliothek ruft. So vieles, was ich gerne noch lesen will! Was habt ihr auf dem Zettel? Ein frohes neues Jahr mit euren Büchern!