2025 gelesen

Natürlich bin ich viel zu spät dran, für jeden Rückblick, Ausblick, wahrscheinlich auch Einblick. Was soll´s, die letzte Woche war stressig und ich komme zurecht so spät dazu, meine Leseliste 2025 zu teilen. Was habt ihr gelesen oder vorgelesen?

  1. Andreas Ruch: Die drei ??? – Das Rätsel des Flamingos – vorgelesen. Das Imperium der ??? bietet jede Menge Unterhaltung, wenn auch eigentlich lieber als Hörspiel. Beim Namen Ruch denke ich allerdings immer ans ZPS, das schafft schön Verwirrung.
  2. Cornelia Funke: Igraine Ohnefurcht – vorgelesen. Sehr schönes Ritterbuch mit interessanten Figuren und Kindern, die den Laden ganz gut schmeißen, während ihre Eltern just zur Belagerung leider indisponiert sind.
  3. Erik Kessels: Fast perfekt. Die Kunst, hemmungslos zu scheitern. Wie aus Ideen Fehler entstehen. – gelesen. Wenn du auf den Balkon treten willst, aber leider keine Tür eingebaut wurde. Dann hat Erik Kessels hoffentlich ein Foto gemacht. Ein Künstler, der das Bemerkenswerte im Alltag würdigt, absolut mein Ding.
  4. Silke Vry, Marie Geissler: Dusty Diggers – Die mausetoteste Mumie aus dem alten Ägypten. Das Geheimnis von Tutanchamun. – vorgelesen. Archäologie im Lichte der menschlichen Unverfrorenheit und Dummheit, noch dazu mit einer Menge wissenschaftlicher Fakten und interessanten Bildern. Schöne Reihe für Menschen, die noch daran glauben, dass man als Wissenschaftler_in das Haus verlassen darf.
  5. Anja Rützel: Take That – gelesen. Witzig, liebevoll, faktenreich – man stelle sich vor, dies würde jmd über ein Buch zu Friedrich Merz schreiben. Tatsächlich habe ich nach der Lektüre ein paar Wochen lang Take That-Musik gesuchtet und so auch die heiße Wahlkampfphase überstanden.
  6. Richard Reynolds: Guerilla Gardening. Ein botanisches Manifest. – gelesen. So viele tolle Sachen, die Menschen überall auf der Welt mit Pflanzen machen. Wäre hierzulande auch in so mancher Kleingartenanlage angebracht.
  7. Jeff Kinney: Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt – vorgelesen. Und die drölfzig übrigen Bände als Hörbuch gehört. Und ich habe das Erfolgsgeheimnis: Neben den Protagonist_innen der Geschichte dürfen wir Erwachsenen uns alle wie gute Eltern fühlen. Und die Eltern von Rupert shamen. Rupert, ey!
  8. Astrid Lindgren: Madita – vorgelesen. Mein Lieblingsbuch aus Kindertagen. Mir war gar nicht klar, wie oft auf die Bibel Bezug genommen wird. Dennoch war mein Heidenkind sehr interessiert und neugierig.
  9. Anja Rützel: Saturday Night Biber – gelesen. Wie es ein Mann geschafft hat, dass ihm eine wilde Hirschgruppe so sehr vertraut, dass er sie anfassen kann. Das nächtliche Geräusch domestizierten Kakerlaken in ihren Wohnboxen. Wie man Alpakas mit Respekt führt, obwohl sie nicht geführt werden wollen. Anja Rützel kriegt es raus, Anja Rützel beschreibt es ganz wunderbar.
  10. Rebecca F. Kuang: Yellowface – gelesen. Ein schlauer Thriller, der sich mit antiasiatischem Rassismus und dem Literaturbetrieb beschäftigt.
  11. Kurt Tucholsky: Vorne die Ostsee, hinten die Friedrichstraße – gelesen. Jede Seite klug und witzig!
  12. Terézia Mora: Das Ungeheuer – gelesen. Das Buch ist schon ein Ungeheuer, jede Seite in zwei Felder, zwei Perspektiven aufgeteilt, der Weg des Protagogisten führt durch halb Europa und seine Trauer konnte ich auf jeder Seite spüren. Zugleich finden sich so viele absurde, abenteuerliche und robuste Momente, dass trotz der für mein Empfinden zu kurz gegriffenen Darstellung von Depression insgesamt ganz viel Liebe zur Fehlerhaftigkeit den Menschen übrig bleibt. Worum es geht? Mann verliert Frau durch Suizid und fährt mit dem Auto immer weiter.
  13. Astrid Lindgren: Ferien auf Saltkrokan – vorgelesen. Was passiert eigentlich in diesem Buch? Ein Vater fährt mit seinen Kindern über den Sommer auf eine kleine Insel. Und was passiert dann? Eigentlich nichts. Aber das Buch macht glücklich.
  14. Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte – gelesen. Warum eigentlich sind Depression und Therapie so oft Steigbügelhalter für irgendwelche Geschichten?
  15. Kjell Ola Dahl: Die Frau aus Oslo – gelesen. Spannend und mit Spionin.
  16. Marc-Uwe Kling: Die Spurenfinder und das Drachenzepter – gelesen und vorgelesen. Kling entwickelt sich immer mehr zu einem Autor, auf den man sich als Familie einigen kann. Vielleicht, weil seine Kinder langsam in den Familienbetrieb einsteigen. Jedenfalls: Witzige Fantasy mit nicht zu dezenter Gesellschaftskritik und der wahren Geschichte, wie Kartoffelchips entstanden sind.
  17. Quichotte: Lieblingsbäcker. Auf Leben und Brot. – gelesen. Hin und wieder mal ein Scheibchen davon zu lesen ist ganz nett.
  18. Margret Wittmer: Postlagend Floreana – gelesen. Echte Erfahrungsberichte von einer Ausgewanderten, die mit ihrer Familie auf einer kleinen Galapagos-Insel mit wilden Hunden, extremen Temperaturen, vor allem aber mit den Nachbarn aus Deutschland zu kämpfen hatte. All das ist wahr, und einen nicht aufgeklärten Mordfall gibt es noch obendrauf. Ich schwanke nun seit Monaten zwischen Respekt und seidihreigentlichkomplettbescheuert?!
  19. Margareta Strömquist: Astrid Lindgren – gelesen. Astrid Lindgrens Biografie, zuletzt ja auch in Teilen verfilmt, zeigt eine kreative und äußerst hartnäckige Frau, die es geschafft hat, trotz widriger Bedingungen ihre Zeit nicht nur zu leben, sondern auch zu gestalten. Möglicherweise hätte sie einiges heute anders gemacht, aber ihr Engagement gegen Gewalt gegen Kinder hat viel verändert, gerade in Deutschland. Kurz gesagt: Ganz schön mutige und humorvolle Frau.
  20. Hannes Richert: Comics für den gehobenen Pöbel – gelesen. Und genossen. Witzig, dödelig, derb und manchmal herrlich dumm.
  21. Till Reiners: Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen. Begegnungen mit besorgten Bürgern. – gelesen. Wie schnell so ein Buch schon wieder Zeitdokument ist. Till Reiners trifft Menschen, die Pegida gut finden und beschreibt sehr schön, wie er mit der Zeit immer weniger Bock hat, ihnen zuzuhören. It’s a dead end… Kurzweilig geschrieben, aber ich fürchte, das Konzept war von Anfang an zu kurz gegriffen. Egal: Das wussten viele vor 10 Jahren nicht.
  22. Maria Kling: Freddy und Flo gruseln sich vor gar nichts – vorgelesen. Geschwister ziehen mit Vater + neuer Lebensgefährtin in Haus, Haus stellt sich als Gruselhaus heraus, Kinder freunden sich mit den darken Nachbarn an, gemeinsam kämpft man gegen die Oberschurken und wächst als Familie zusammen. Und nebenbei lacht man sich dann beim Vorlesen krumm und schief, weil es so viele köstliche Wortspiele und Querverweise gibt.
  23. Michael Ende: Der Wunschpunsch – vorgelesen. Die magische Welt für die Umweltverschmutzung – man merkt, wie Michael Ende zu seinem Thema kam. Zusammen mit dem Kind zu versuchen, den endloslangen Zauberbegriff Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch ohne zu stocken vorzulesen ist trotzdem ein hervorragender Spa0.
  24. Peter Høeg: Der Plan von der Abschaffung des Dunkels – gelesen. Ein Ort an dem Menschen bis in die kürzeste Minute hinein kontrolliert werden, an dem jede Bindung verdächtig und jede Zuneigung auszumerzen ist – wie machen sie das? Sie, das sind in diesem Fall Pädagog_innen, Ärzt_innen, Psycholog_innen in einem dänischen Kinderheim der 60er Jahre. Und die Antwort, so beobachten einige Kinder über lange Monate, die Antwort liegt in der Zeit. Kaum ein Buch hat mich so mitgenommen, wie dieses; die Geschichten einiger junger Menschen, die die winzigsten Lücken und Ungenauigkeiten in den erwachsenen Plänen dazu nutzen, auszubrechen und eine echte, verbundene Wirklichkeit zu suchen. Es ist brutal, es ist tieftraurig und doch auch ganz wunderbar – obwohl es kaum Anlass dazu gibt, bleibt eben doch das Gefühl, dass jede Sekunde sich selbst gehört und jede Begegnung zählt.
  25. Elke Vesper: Schreckliche Maria. Das Leben der Suzanne Valadon. – gelesen. Schon zig Mal. Gute Unterhaltung, sehr viel gut recherchiertes Wissen um die Kunstgeschichte der Jahrhundertwende, fabelhafte Bildbeschreibungen. Und eine ordentliche Portion guten alten 80er Jahre-Feminismus obendrauf. Verleihe ich nur, wenn ich es auch zurückkriege!
  26. Eugen Ruge: Capo de Gata – gelesen. Kalte spanische Küste, Katzen und eine Frau mit einem absurden Hintern. Ich kann jetzt auch nicht mehr erklären, wie das alles zusammenhing, aber es war angenehm zu lesen.
  27. Mareike Fallwickl: Die Wut, die bleibt – gelesen. Endlich mal ein neuer Ansatz für feministische Geschichten! Frauen, die nicht mehr nur über ihre Rechte reden, sondern auch gezielt Gewalt anwenden: Gegen sich, aber auch gegen andere. Dieses Buch hat die Kraft, einigen ordentlich in die Fresse zu hauen und ist deshalb absolut diskutierenswert. Leider hat es in meinem Umfeld niemand gelesen, oder doch?
  28. Heribert Schwan: Die Frau an seiner Seite. Leben und Leiden der Hannelore Kohl – grob gelesen. Das war dann ein schöner Kontrast zum letzten Buch. Und wie kaputt und traumatisiert die Menschen doch waren, die die BRD aufgebaut haben. Noch ein Wort zum Autor: Wäre ich mit ihm verheiratet (was abwegig ist), nach diesem Buch wäre ich eifersüchtig. Da wird viel verehrt, aber dennoch wenig ausgelassen.
  29. Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer – gelesen. Richtig witziger historischer Roman über die Jugend von Annette von Droste-Hülsdorff. Und wie schwierig das Leben mit geistig unterlegenen Männern im Patriarchat eben ist. Und wie wenig Ahnung man vom Knutschen hatte.
  30. Kathrin Köller, Irmela Schautz: Richtig anders, anders richtig – gelesen. Große Empfehlung für alle mit Kindern die im neurodivergenten Spektrum unterwegs sind. Endlich eine wertschätzende Perspektive auf ADHS, AuDHAS usw., gendersensibel geschrieben und direkt an Jugendliche ab 11 Jahren gerichtet. Sollten aber auch alle Erwachsenen lesen!
  31. Maria Kling: Freddy und Flo – Verliebt, verlobt, verhaftet – vorgelesen: Siehe oben. Irgendwann müssten wir eigentlich noch das mittlere Buch der Trilogie gelesen haben…
  32. Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt – gelesen. Sehr lakonische Beschreibung großer menschlicher Intelligenz, großer Forschergeister und auch ziemlich großer emotionaler Unterentwicklung. Alles in allem sehr unterhaltsame Schilderung der Arbeit, auf der unsere heutige Welt beruht – und die eben letztendlich einfach menschlich war.
  33. Anne Rabe: Die Möglichkeit von Glück – gelesen. Beim Aufräumen aus dem Regal gezogen und gleich wieder hängengeblieben: So ein sensibles Buch über eine Familie, an der die DDR und die Wende natürlich nicht spurlos vorbeigegangen sind.
  34. Caroline Wahl: 22 Bahnen – gelesen. Wollte den Hype verstehen. Hier meine Analyse: Wenn du Netflix willst, bist du hier richtig. Ich will durchaus auch oft Netflix, und Caroline Wahl kann schon okay schreiben. Was mich genervt hat: Dass alle in ihrem Elend so toll aussehen. Und dass es natürlich wieder überhaupt keine Hilfe gibt, geschweige den Hilfsstrukturen. Von mir aus hätte das Buch auch doppelt so lang sein können, ich hätte es gerne gelesen. Schließlich gibt es auch auf Netflix besonders tolle Sachen.
  35. Liv Strömquist: Ich fühl’s nicht. – gelesen. Der erste Strömquist-Comic, der hier und da ein bisschen lang war… Und dann sieht man zum 586. Mal Leonardo DiCaprios Gesicht, wenn er ein neues Sports Illustrated Swim Suit-Model datet. Unbezahlbahr.
  36. Michael Ende: Momo – vorgelesen. Für mich ein Wiedererkennen nach langer Zeit, für mein Kind ein handfester Krimi. Und Ausgangspunkt für ein Nachdenken über die Zeit.
  37. Till Raether: Die Architektin– gelesen. Der „Journalist“ trägt noch von Mutti gebügelte Hemden, in der Redaktion säuft man sich heimlich tot und der Assistent der Architektin bumst die Sülze, die eigentlich für die Geldgeber bestimmt war. Alles so detailverliebt und absurd beschrieben, die Handlung zum Ende hin so selbstbewusst überdreht, dass ich mich danach noch wochenlang gefragt habe, mit welchen Bambi-Stars ich das ganze Werk verfilmen würde. Ich hoffe, das passiert bald und empfehle bis dahin dieses Buch!
  38. Martin Muser: Das ist nicht lustig – vorgelesen. Geschichten rund um drei Chaotenkumpels, einen häufig heulenden kleinen Bruder und Opa Eule. Lustig und traurig und schön für Eltern und Kinder.
  39. Deniz Ohde: Ich stelle mich schlafend – gelesen. So eine tolle Autorin, so ein tolles Buch, dass sich in seiner Sprache über zig Kapitel aufbaut, dass es seiner Protagogistin überhaupt nicht leicht macht und dann am Ende in einer ganzen Kaskade abliefert. Keine „red flags“, nur die schlichte Beobachtung, dass es Frauen gibt, die glauben, dass es nun mal so ist, dass Männer Anspruch auf sie erheben, die sich schützen, in dem sie zustimmen, indem sie runterspielen, indem sie schweigen. Dass das wahr ist, das wissen wohl leider die meisten von uns. Die Protagonistin des Romans muss es über viele Jahre lernen, ihr Rückrat muss sie dafür im Wortsinn stabilisieren, und am Ende fliegt dennoch einiges in die Luft. Empfehlung!
  40. Åsa Larsson: Weiße Nacht – gelesen. Sommer in Nordschweden, Hunde, Mücken, ein Mordfall. Lange nicht mehr so eine schöne Sprache in einem Krimi genossen
  41. Denn die Gier wird euch verderben – Noch ein schöner Krimi, wenn auch nicht mehr so fein, wie der obige.
  42. Bis dein Zorn sich legt – gelesen. Siehe oben.
  43. Astrid Lindgren: Erzählungen – vorgelesen. Weniger bekannte Geschichten von Astrid Lindgren. Vie religiöses, manch trauriges, aber auch immer wieder Hoffnung.
  44. Andreas Steinhöfel: Anders – gelesen. Eine interessante Geschichte um Schuld und Verantwortung eines Kindes – und nein, es geht nicht um Handy oder Puppe, sondern um einen verbrannten Hühnerstall mit 60 toten Tieren. Irritierend fand ich die einfache aber trotzdem relativ blumige Sprache.
  45. Janine Barchas, Isabel Greenberg: Jane Austen. Ihr Leben als Graphic Novel. – gelesen. Wie abhängig man sein kann, bloß aufgrund seines Geschlechts! Der Comic schildert die Lebensumstände von Jane Austen, und wenn die nicht so nette Brüder gehabt hätte, würde ich einige meiner Lieblingsbücher jetzt gar nicht kennen.
  46. J.K.Rowling: Harry Potter und der Gefangene von Askaban -vorgelesen. Man kann die Potter-Bücher trefflich kritisieren, aber: Sie funktionieren. Vorzulesen und dabei an jedem zucken und glucksen zu hören, wie sehr ich meinen Sohn damit am Haken habe, ist ein Genuss.
  47. Kaleb Erdmann: Die Ausweichschule – gelesen. Am Ende des Jahres noch ein richtig gutes Buch, das ich wärmstens empfehlen möchte. Endlos lang stolpert man hinter dem Erzähler her, durch sein neurotisches Leben als Autor, durch Erinnerungen an einen bestimmten Schultag am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt, durch das gesammelte Wissen um den dortigen vergangenen Amoklauf – und um die Frage, wie man, ob man darüber schreiben könnte. Das weiß ich nicht, aber diesen Text habe ich sehr gern gelesen.

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