131 Mails & eine Boxsackaufhängung

Der erste Tag nach dem Sommerurlaub.
Wohlweislich habe ich keine Termine auf diesen Tag gelegt – heute verschaffe ich mir einen Überblick. Und weil mich keiner erwartet, beginne ich damit auch erst um 12 Uhr. Kleine Freuden der Freiberuflichkeit.

11:54 Uhr. Ich betrete das Büro, meine Kollegen sind alle ausgeflogen. Habe ich das so chaotisch hinterlassen? Ups. Das war ich aber nicht alleine.

12:07 Uhr. Ich öffne mein Mailpostfach. 84 Mails. 3 Mails von Sozialen Netzwerken. 15 Mails im Ordner Werbung. 19 mal Spam (hier verstecken sich dann oft wichtige Mails – nicht reinzugucken, kann ordentlich Ärger machen). Also 131 Mails. In meinem Kopf höre ich zahlreiche Kollegen: „ach, das geht ja noch, bei mir waren es 732856083798“.

12:07 Uhr. Spam enthielt nur Informationen über „unsren Herrn Jesus Christus“ und geschlechtliche Fragen. Gelöscht. Kurzer innerer Kampf, ob das für den ersten Tag reicht. Werbung und Nachrichten von sozialen Netzwerken löschen. Jetzt geht’s los.

12:19 Uhr. Löschen aller Petitionen. Noch 71 Mails.

12:35 Uhr. Ich bin im Verteiler einer Gruppe, die sich mit der Menschenwürdigkeit des Umgangs mit Geflüchteten in Leipzig auseinandersetzt. In meiner Abwesenheit ist in Leipzig viel passiert. Lesen. Löschen. Traurig sein und schlechte Laune haben. 43 Mails.

12:47 Uhr. Zum ersten Mal eine Mail gefunden, die ich kurz beantwortet habe!

12:52 Uhr. Ausschreibungen, Newsletter, Informationsveranstaltungen. Gelesen, gelöscht. Noch 21 Mails.

12:53 Uhr. Es gibt  noch einige Mails aus dem Kommunikationsprogramm Trello, dass ich mit einigen Partnern nutze. Ungelesen gelöscht. Das wird ein eigener Arbeitsstrang. 11 Mails.

13:00 Uhr. Projektbezogene Mails mit Inhalten, die konkreten Einfluss auf meine Arbeit haben. Evtl. auch die Bezahlung dieser Arbeit. Evtl. auch mit einem längeren Prozess der Terminfindung bezüglich dieser Arbeit – an diesen Tagen? – an diesen Tagen?- aber ich kann besser an diesen Tagen? Das Team war fleißig.

Alles gelesen. Jetzt muss geantwortet werden… Oder doch erst Mittagspause?

14:20 Uhr. Eine Mittagspause und ein Telefonat mit der Bürokollegin später: Öffnen eines großen Pakets. Die Kollegin hat einen Ständer für den Büroboxsack gekauft. Welche Werkzeuge soll sie mitbringen, um den aufzubauen? Die Anleitung sieht aus wie ein Ameisenhaufen. Foto machen, Nachricht senden.

14:30 Uhr. Eine neue Mail. Wird radikal sofort gelöscht.

15:29 Uhr. Lange Mail formuliert. Warum hängt der Boxsack noch nicht? Könnte eine kurze Pause brauchen, denn jetzt geht’s an die Trello-Organisation…

15:42 Uhr. Trello.

15:58 Uhr. Trello.

16:04 Uhr. Trello.

16:10 Uhr. Ich bin durch. Huch! Ich bin durch!

Na dann mach ich jetzt mal die Post auf…

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „131 Mails & eine Boxsackaufhängung“

  1. Bomben Job wenn sie erst am Mittag anfangen müssen/dürfen und ihre Hauptarbeit daraus besteht Mails zu löschen/ignorieren.

    Wo kann ich mich bewerben?

    1. Sehr gern. Voraussetzung für die Arbeit in meinem Büro sind profunde Kenntnisse in Solitär und Spider Solitär. Sehr freue ich mich über BewerberInnen, die gerne spülen. Aussagekräftige Unterlagen an: Solveig Hoffmann, Brandvorwerkstraße 54.113, 04275 Leipzig. Danke.

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